Kino

Das Kernstück des Bendestorfer Filmmuseums ist das Produzentenkino aus den 1950er-Jahren, das weitgehend im Originalzustand vorhanden ist und in seiner Architektur und Ästhetik die Aufbruchsstimmung der Nachkriegszeit widerspiegelt. Dieses Produzentenkino ist ein Juwel, sicherlich einzigartig in der ganzen Bundesrepublik.

Als das Filmstudio Bendestorf in den 1950er-Jahren Drehort für Kinofilme war, wurde am Ende eines Drehtages das Filmmaterial per Postbus zur Entwicklung nach Göttingen transportiert. Nach der Filmentwicklung wurden die Filmrollen  am darauf folgenden Tag, ebenfalls per Postbus, zurückgebracht. Diese wurden im Produzentenkino begutachtet, und es wurde entschieden, ob eventuell neu gedreht werden musste.img_1688

Hier wurden auch zum ersten Mal die fertig abgeschlossenen Filmproduktionen gesichtet. Bei  der Vorführung der als Skandal empfundenen Szene aus dem in Bendestorf gedrehten Films „Die Sünderin“ mit Hildegard Knef drängelten sich 200 Mitarbeiter im Kinosaal, um zu erleben, wie die junge Film-Diva für zwei Sekunden unbekleidet in ihrer Rolle als Prostituierte, die mit einem Künstler befreundet war, zu sehen ist.

Dem Verein ist es verdanken, dass Technik und Sessel aus Kinos der Hamburger Umgebung ausgebaut wurden. So wurde ein Raum geschaffen, der ein Kinoerlebnis ermöglicht, wie es in der heutigen Zeit kaum noch angeboten wird.Das Produzentenkino im Filmmuseum Bendestorf ergänzt das kulturelle Leben im Ort auf vielfältige Weise. Neben Filmvorführungen sind Lesungen, Konzerte und Kleinkunst jeglicher Form möglich.

Das Produzentenkino verfügt über eine vollständige technische Ausstattung (35 mm, auch 16 mm), sowie über hochmoderne  Digitaltechnik mit 7.1 Dolby Surround Sound. Die Leinwand, in dieser Größe heutzutage eine Seltenheit  ermöglicht brillante Vorführungen aller  Filmformate. Vom Foyer aus kommend, also vor Betreten des Kinosaales, ermöglichen Plexiglasscheiben dem Besucher Einblicke auf die gesamte Projektionstechnik. Dadurch wird dem Zuschauer ermöglicht, die Vorführtechnik sowie die  Arbeit des Filmvorführers direkt anzusehen. So erlebt der Kinozuschauer den gesamten Prozess einer Filmvorführung, und erfährt, wie Kino funktioniert.kinosaal-2016-12-12_1

Neben den hervorragenden optischen Voraussetzungen sind die akustischen Gegebenheiten des Kinosaals zu erwähnen. Die klanglichen Voraussetzungen, die beim Bau des Kinosaales geschaffen wurden, sind so optimal, dass der Raum seit den 1980er-Jahren bis in die jüngste Vergangenheit als Aufnahmeraum des Vox Klangstudios genutzt wurde. Hier entstanden unzählige Plattenproduktionen von deutschen und internationalen Künstlern sowie Musical-Einspielungen.